Reisebericht von Martina, Birgit und Katrin, Mai 2014

Reisebericht
Fünf von Minden à Pusia und zurück!

Im April war es dann soweit – es wurde wahr gemacht und wir fuhren nach Pusia.
Es war von meiner Seite aus ein hin-und-her bis ich endlich doch zugesagt hatte, da ich ja „nur“ eine Endstelle bin hatte ich bedenken…was im Nachhinein total überflüssig war.
Schließlich ging es ja um Doris und Ihren Ehrentag und um Basia´s und Staszek´s 5.Hochzeitstag!
Sehr neugierig war ich auch auf den Hof…schließlich ist dort unsere Cleo geboren und geprägt worden und so zu einem Hund geworden der perfekter für mich nicht sein könnte…aber das ist eine andere Geschichte.
Donnerstagmorgen also fuhr ich von Bielefeld gen Minden zu Birgit und Kathrin, ein Beweisfoto eines Starenkastens liegt vor (Kosten: 1,5 Futterbeutel, die besser investiert gewesen wären).
Punkt 8 Uhr war ich da, durfte auch gleich Rolo (langjähriger Freund von Birgit und Kathrin, persönlicher Kfz-Beauftragter dieser Fahrt J ) und Scarlett (zarte 18 Jahre ALTE Tochter von Katrin) kennen lernen.
Es war mir ja noch etwas rätselhaft wie fünf erwachsene Menschen in einem alten Golf Kombi nach Polen fahren können, ohne sich in die Haare zu bekommen.
Dann hieß es aber erstmal das „Autochen“ zu packen, Hunde nochmals auszuführen (hier konnte ich auch den Billie kennen lernen – was für ein toller Hund – meist merkt man nicht, dass er blind ist…so schlau und so schmusig….aber eine andere Geschichte…), bis wir uns dann alle im Auto sortiert hatten sind wir erst um 11 Uhr los gekommen .
Kathrin fuhr die erste Etappe, der alte Golf zog uns wie ein treues Arbeitspferd durch Staus, langsam die Hügel hinauf, etwas schneller hinunter…Birgit fuhr die zweite Etappe. Dann war es nicht das Auto was ich befürchtete, nein das Navi hatte Turbulenzen und meinte, dass wir die Aussicht kurz vor der polnischen Grenze dreimal in großen Kreisen und Achten genießen sollten. Tatsächlich blühten die Rapsfelder in einem wahnsinnigen gelb J doch so langsam hatten wir genug Rapsfelder gesehen und wollten endlich weiter kommen…Zwei volle Stunden kamen wir nicht aus dem Strudel des Navis…fünf erwachsene Menschen fanden nicht den rechten Weg – ok, Rolo war außen vor, er hatte plötzlich so schlimme Magenschmerzen, dass er nicht mehr denken konnte…dies hielt leider auch die ganze Reise an, der Arme…oh oh ihm ging es ja so gar nicht gut…
Scarlett saß vorne und war der DJ der Fahrt, zudem, noch wichtiger,  war sie die „Navigations-am-Leben-erhalten-Beauftragte“, denn neben den eigenwilligen Straßenführungsrundfahrten setzte das Ding gerne mal einfach aus wenn das Kabel nicht in einem bestimmten Winkel in dem Gerät steckte, welches bei jeder Unebenheit der Straße neu justiert werden musste.
Scarletts Geduld war bewundernswert.
Aufruf: Wer ein funktionierendes Navi hat, das er/sie nicht mehr braucht – hier würde es Sinn machen J !!!
Wie abhängig man doch von diesem Ding ist, zeigt sich erst, wenn man keine Straßenkarte hat…
Nach der polnischen Grenze machten wir eine Pause mit einem gefühlten 180 Grad heißen Kaffee und Fahrerwechsel – unsere platten Hintern mussten mal geschüttelt werden.
Die nächste Etappe fuhr ich. Der alte Golf und ich brauchten einige Zeit bis wir Freunde wurden und es bedurfte einige Ampelphasen bis ich den Trick raus hatte den ersten Gang zu finden. Ich konnte es einfach nicht glauben, so ein störrisches Auto…aber brav fuhren wir an allen Starenkästen (fast in jedem Ort einer) – ohne Foto – vorbei.
Polen ist wunderschön zu dieser Jahreszeit.
Neben dem, das wir hier nur über (ziemlich gute, im Gegensatz zu hier) Landstraßen fuhren, war es fast schon auffällig wie natürlich die Landschaft ist. Moorgebiete, wilde Wälder, weite Wiesen, keine Hochspannungsmasten, oder Windmühlen. Dazwischen die kleinen Dörfer und Städtchen, sehr sauber heraus geputzt und sehr gepflegt. Jedes Grundstück, ob klein oder groß ist mehr, oder weniger kreativ eingezäunt – aber (!) ganz konsequent.
Mein letzter Besuch in Polen ist bestimmt schon über 10 Jahre her – da sah es noch anders aus, abgesehen von den Zäunen – ich war sehr positiv überrascht – schön idyllisch!
So schaukelten wir schön langsam unserem Ziel entgegen. Es war schon stockdunkel als wir dann im Zielort ankamen.
Wir fanden den besagten Feldweg nicht!
Nach einer nächtlichen Dorfrundfahrt, Telefonaten mit der ungeduldig wartenden Doris und Kampf gegen fallende Augenlieder kam Staszek und Christopher. In Ralleyqualität fuhren wir ihnen über Staub aufwirbelnden nächtlichen Feldwegen hinterher.
Nach insgesamt 12 Stunden standen wir dann vor dem Tor von Pusia.
Staszek sprang aus dem Wagen und öffnete die mit jeweils einem kleinen Schnauzer verzierten Gusseisen-Torflügel.
Auf der Homepage von Pusia ist mir dieses Tor schon aufgefallen und irgendwie kam mir so einiges bekannt vor – nur in echt mit eigenen Augen…soweit ich es in der Dunkelheit erkennen konnte.
20, oder 25, oder 30 (?) aufgeregte Hunde hüpften herum, bellten laut in die Nacht und kündigten uns an. Ich weiß noch wie ich mich wunderte, dass die Hunde keine Anstalten machten um aus dem Tor zu laufen…nein, sie liefen um unser Auto und um Staszek herum der vor uns den Weg frei „wedelte“ bis wir nach ca. 30 Metern vor dem Haus von Barsia und Staszek parkten.
Doris nahm uns alle gleich in ihre Arme – hatte sie Tränen in den Augen? Es war ein sehr herzlicher Empfang, als würde man sich schon sehr lange kennen…die Hunde bellten im Chor, wedelten um die Wette.
Langsam wurde es ruhiger und man wurde intensiv beschnuppert. Ruckzuck wurden wir ins Haus geführt, hinter einer Tür meldete sich Doris´ Hunderudel. Vorbei an einer Art von Flur-Vorratskammer, gefüllt mit Arzneien, Floh- Zeckenmitteln, Hundefutter ect. ging es hoch in die Wohnung von Barsia und Staszek.
Uns empfing ein sehr reich gedeckter Tisch an polnischen Köstlichkeiten wie Sauerkraut, Fischsalat, Pasteten, reichliche Wurstplatten, Brot und und und…wow, damit hatten wir so gar nicht gerechnet!
Der sehr große Tisch mit vielen Stühlen wurde extra für uns ausgeliehen, hergekarrt und aufgestellt. Für jeden stand ein Teller und Besteck bereit und bei jedem Gedeck dampfte eine Tasse von heißem Kräutertee. Es sah so sehr einladend aus.
So viel Mühe wegen uns, dabei sollte es doch um Doris gehen und um ihren Ehrentag!
Es war 23 Uhr nachts, Doris, Barsia, Christopher und Staszek warteten mit ihrem Abendessen so lange auf unsere Ankunft – ihre Mägen mussten auf Halbmast gehangen haben, Wahnsinn.
 
Ja, müde sahen sie aus, besonders
Doris, die auch schon seit 4, oder 5 Uhr morgens auf den Beinen war.
 
Trotzdem, ich musste alles probieren und beim Essen kam der Hunger und alles war so lecker, ich denke, den anderen ging es genauso.
Nur Rolo hielt sich an Kräutertee und Magentabletten. Er war so bleich im Gesicht, als ob er gleich umfiele.
Ich weiß gar nicht mehr so genau wie und wann, plötzlich waren wir in unseren Schlafstätten und schliefen recht erschöpft ein.

Es muss so um vier Uhr morgens gewesen sein, da wachte ich auf.
Lautes Gebellen draußen. Doris machte mit ihren Seniorenhunden ihre Pipirunde, die halten eine ganze Nacht nicht mehr durch…unermüdlich wie wohl jede Nacht spaziert Doris mit ihren Hunden, Arthur-Spezial-Dackel brauchte zudem seine Diabetisspritze.
Doris macht alles nur Mögliche für ihre Hunde damit es ihnen gut geht. Jetzt denkt wohl jeder, das mache ich doch auch – aber (nicht das ich lüge) 13 Hunde (!?) sein eigen nennen, wow Hut ab und dann noch jedem Gerecht werden…vor allem Arthur, dieser mürrische alte Dackel allen voran der Boss, verlangte von der armen Doris so einiges ab, vor ihm hatte ich doch recht Respekt J.
Das Bellen hörte auf, Doris war wieder drin.
 
Nun hörte ich das Heulen aus den Zwingern, das Rufen und Bitten…es tat weh, Gänsehaut.
Der Gedanke, dass all die Tiere tot, oder halbtot wären wenn sie nicht hier sein könnten war tröstlich…und die Hoffnung, dass sie ein Zuhause finden werden…wie unsere wunderbare Cleo.

Der nächste Morgen fing mit einem wieder reichlich gedeckten Frühstückstisch an.
Gestärkt wollten wir unbedingt den Hof und die Hunde kennen lernen.
Empfangen wurden wir mit aufgeregtem, aber neugierigem Gebell.
Dann wurden wir recht intensiv unter die Nasen genommen – wir waren eine willkommene Abwechslung für die „Draußen Hunde“, so kam es mir jedenfalls vor.
Neben dem großen Rudel welches uns empfing gab es noch ein weiteres großes Rudel hinter dem Haus. Diesen Rudelhunden geht es allen sehr gut, bis auf das, dass sie eben keinen eigenen Menschen für sich haben, kein eigenes Sofa, keines tägliches Bürsten, kein eigenes Spielzeug, eben kein richtiges Zuhause wie unsere verwöhnten Fellnasen zuhause.
Allesamt kamen sie auf einen zu, wollten gestreichelt und bespaßt werden.
Es kam mir so vor, wenn man sich mit irgendeinem, einzelnen blind heraus gegriffenen Hund, nur ein wenig länger beschäftigen könnte, wäre es sehr schnell eine wunderbare Hund/Mensch-Beziehung.
Ja, alle Hunde waren ohne Ausnahme sehr Menschenbezogen.
Aus einem kleinen Fenster der Nebengebäude lugte ein Huskygesicht hervor, still und heimlich beobachtend. Diese Huskymixdame war auch bis vor kurzem ein Teil des Rudels, wie Doris erzählte, doch es gab Unstimmigkeiten mit der aktuellen Rudelanführerin und zur Sicherheit aller wurde sie wieder zu ihrem Kumpel in den Zwinger gebracht. Nun sieht sie recht beleidigt und sehnsüchtig von der Ferne zu. 
Im ersten Stock des Hauses war ein großer Balkon, von dort aus lugten vier Welpennasen zu uns hinunter. Ein angehäufter Hügel gab den Rudelhunden die Gelegenheit auch zu den Welpen hinauf zu klettern und hin und wieder nach dem Rechten zusehen was die Winzlinge so treiben.
Nase zu Nase haben die Welpen schon Kontakt zu den Rudelhunden.
Es war so schön die Welpen zu sehen nach all der dramatischen, zum Glück überstandenen, Parvo-Geschichte…
Zu den Welpen mussten wir natürlich auch gleich hoch und knuddeln.
Klar, dass der einzige Balkon samt Balkonzimmer nicht den Menschen, nein, sondern den Welpen zu Verfügung gestellt wurde J.
Hier wird alles nur Mögliche für die Vierbeiner getan. Der ganze Raum war mit Zeitungen und Decken ausgelegt. Die vier waren sehr aufgeweckt, sie konnten sich ja auch frei bewegen, ausruhen drinnen, auf dem Balkon „Rudelfernsehen“ und spielen. 
Ei, die waren so knuffig!
Von den Welpen aus kam man in einem verwinkelten engen Treppenhaus (ich hatte meine Orientierung völlig im Haus verloren) zu dem Katzenzimmer mit Dachfenster. Auch diese Seelen brauchen ihren Raum. Da waren wieder diese Blicke von scheu und „bitte nehme mich mit“, …wieder der Kloß im Hals, …aber ihr Samtpfoten, hier seid ihr wenigstens in Sicherheit und werdet versorgt.  
Sooo schöne Kätzchen, wie kann man diese Samtpfoten nur entsorgen wollen, ihr werdet auch ein schönes Plätzchen finden….Mitleid hilft nix…das muss ich mir immer wieder sagen…
Wieder hinunter durch die beiden Rudel durch. Natürlich nicht ohne ausgiebiges Gruppenrudelstreicheln in herrlicher Sonne…gingen wir in den ersten Trakt der Zwinger. Nach der frischen Luft war der Geruch im Trakt sehr beißend.
Von allen Seiten tosendes Gebelle, logisch.
Jeder Zwinger hatte geschätzte 9 -15qm, manchmal sogar größer. Zumeist waren mindestens zwei Hunde in einem Zwinger.
Wie es eben in einem Zwinger ist, es ist nicht schön!
Futter, Wasser, Schlafstätte, Stroh, aber auch Fenster, vor Allem Sicherheit, das alles ist das Wichtigste, das haben sie.

Nahezu 100 Hunde täglich zu versorgen ist eine wahnsinnig Aufgabe und ich habe vollen Respekt wie das hier klappt mit nur drei Leuten – klar fehlt es an Ecken und Enden, aber es wird echt aus dem Wenigen das Beste gemacht.
 
Staszek und Christoph sind aller Hunde Vertraute. Sie kennen jeden Hund und die Hunde vertrauen ihnen. Staszek führte uns in alle Zwinger und wieder war ich sehr überrascht wie Menschenbezogen die Hunde waren. Wenn man bedenkt, dass schließlich die Zweibeiner Schuld sind, dass diese Seelen überhaupt hier landeten.

Manchem Hund wurde schrecklichstes Übel angetan, halb erschlagen, ausgesetzt, halb verhungert, weg geschmissen, entsorgt und misshandelt kommen die meisten hier an…und doch, oder vielleicht weil sie hier aufgepäppelt werden, haben sie immer noch/oder wieder Vertrauen zu den Menschen.
Manch ein Hund überschlug sich vor Aufregung, kam seinen eigenen Wedeln nicht mehr hinterher, ja eigentlich die meisten Hunde reagierten so J
Nur die Huskymixdame würdigte uns vielleicht nur einen Blick von der Seite, die Madame war schrecklich beleidigt, das war eindeutig. Eine wunderschöne Diva…
Andere drückten sich ganz ruhig zu einem als wollten sie in einen hinein schlüpfen um nie wieder alleine sein zu müssen.
    
Oft musste ich Tränen verdrücken und der Kloß im Hals wurde immer größer…
Jedoch Mitleid hilft ja nix…
Viele erinnerten mich an meine Cleo, vom Charakter (was man so auf die Schnelle erahnen konnte), aber auch vom Aussehen her.

Von einem Trakt ging es in den nächsten, ich glaube es waren vier Trakts.
Zu jeder Hundeseele eine Geschichte. So viele Hunde. So viele Geschichten.

Die meisten Hunde haben keinen Namen und es fiel hinterher nicht so leicht sich über den einen oder anderen zu unterhalten, weil Nummern sich keiner merkt.
Mir wurde bewusst wie wichtig ein richtiger Name ist.
Sonst kommt man nicht ins Gespräch mit potenziellen Sofabesitzern.

Irgendwoher habe ich (komplett falsch!!!) aufgeschnappt was „hier hin“ auf Polnisch heißt: „hutsch hutsch“, ja…ich bin kein Sprachentalent.
Jedenfalls rief ich dann so alle Hunde die keine Namen hatten – in diesem Sinne möchte ich mich bei all den Hunden und Polen entschuldigen – ich habe es nach gegoogelt: richtig ist: „tutaj tutaj“…oder Doris??
Wobei „Hutsch“ auch zu dem einen, oder anderen gepasst hätte J
Ich erzähle das, weil wir ja unbedingt gerade mit den Zwingerhunden, so viel wie möglich, spazieren gehen wollten:
So hatte Staszek und Christoph alle Hände zu tun um Geschirre in jeglicher Größe und Leinen heraus zu suchen und was viel schwieriger war, die aufgeregten Fell-Flumis damit auszustatten – was für ein Gewusel!
 
Wir Fünf hatten unsere Hunde letztendlich jeweils an der Leine. Der eine stürmte los, der andere, z.B. meine kleine Labbi-Mixdame musste man erst verstört vor das Tor tragen (Scarlett trug sie). Dort saß sie, der Hund, erst ungläubig in der Sonne, sie war sehr verunsichert, was nachvollziehbar war. Wir waren ja alle fremd. Nach und nach wurden die Ohren immer spitzer, die Nase bewegte sich immer mehr aufgeregter gen Wind und was ich sehr schön fand, sie suchte Kontakt zu mir, bzw. an das Ende „Mensch“ der Leine – so schnell…nach fünf Minuten genoss sie einfach nur den Spaziergang… „hutsch hutsch“...tolle Maus!
Nur Scarlett bewies wieder mal viel Geduld mit ihrem Kreuzwuschel-Schäfer-Colli auf Dackelbeinen, ein sehr extravagantes Modell seiner Gattung J. Scarlett hatte viel Mühe, da dieses vorwitzige Geschöpf aus unerfindlichen Gründen immer schnappte. So kurz die Beine auch waren, springen konnte das Tier ernorm hoch! Scarlett trug ohne Murren so einige Blessuren davon, doch der Hund hatte Spaß, das konnte man sehen!
Unser Weg führte weitläufig um den Hof herum. Quer über Felder und Wiesen, verwachsene Pfade, vorbei an einem kleinem Wäldchen und über einen kleinen sumpfigen Bach. Einfach landschaftlich schön dort.
Noch zweimal wechselten wir die Hunde und liefen in verschiedenen Varianten diese Runde. Doch beim dritten Wechsel, bei all dem Gewusel, entflutschte Staszek ein großer wuscheliger Wirbelwind. Ruckzuck war er durch seine Beine hindurch.
Wir standen vor dem hinteren Tor und so schnell wie ein Schatten huschte er aus diesem, zack zack auf die Wiese und wurde plötzlich unsichtbar, nicht auffindbar – weg war er………….   wir suchten und suchten ……… und suchten ………. hmmm …….suchten……die einzigen die das Klasse fanden waren die Hunde die wir mit hatten….suchten…suchten.
Alle riefen „hier hin“ auf korrekt polnisch, ich rief „hutsch hutsch“, nix half, er war einfach weg.
Doris war außer sich vor Sorge, schimpfte, weinte und beruhigte, wir waren alle aufgeregt. Doris meinte, dass sie keinen Geburtstag am nächsten Tag feiern würde wenn dieser Hund bis dahin nicht zurück wäre, das meinte sie ernst!
Vor Allem hatte sie Angst, dass er auf benachbarte Höfe lief auf welchen hier zugegen mit Streuner kurzen Prozess gemacht werden würde.
Klar war, der Hund würde niemals zu uns fünf Fremden kommen, denn er war sehr scheu. Staszek, Christoph und Doris also wieder los und suchten weiter bis es dunkel wurde – ohne Erfolg. Wir saßen auf dem Hof, das Tor im Auge in der Hoffnung er käme allein zurück. Scarlett lief auch nochmals mit Taschenlampe in die Dunkelheit, leider auch ohne Erfolg, aber wir waren froh als sie wieder zurück war…
Die Stimmung war natürlich betrübt. Das von Basia wieder üppig gedeckte Abendbrot wurde sehr leise eingenommen. Jeder hing so seinen Gedanken hinterher.
An diesem Tag war auch nix von wegen Doris´ Geburtstag, oder 5.Hochzeitsfeiertag-Vorbereitungen, jedenfalls habe ich davon nichts mitbekommen – wie sollte das am nächsten Tag wohl stattfinden…?

4 Uhr Morgens wieder Gebell … Doris ging Gassi, Arthur bekam seine Spritze…danach wieder ruhig….bis auf das leise heulen in der Dunkelheit…was einem dann durch den Kopf gehen kann würde Romane füllen…
Freudige Aufregung am Morgen – Doris hat den „Abenteurer“ bei ihrer nächtlichen Tour eingesammelt.  Der Wuschel wartete brav vor dem hinteren Tor und schien auf Doris zu warten bis er endlich wieder auf seinen Platz konnte…Doris war glücklich, wir waren glücklich und der Haussegen war gerade gerückt J

Nun fing die Pre-Party-Hektik an – Doris, Basia und Staszek mussten um 11Uhr beim Friseur sein. Normaler weise ja kein Ding. Doris war wegen der Friseurin sehr nervös, schließlich war sie seit vielen Jahren nicht mehr dort vor „lauter Hunde kümmern“, aber an diesem Tag sollte sie sich mal um sich kümmern,  bzw. kümmern lassen. Ok, Arthur bekam noch eine Spritze und Doris als Dank dafür einen Biss in die Hand – dann konnte es losgehen – die Drei rollten vom Hof zum „Schönmachenlassen“.

Wir Fünf, nein wir Vier, denn Rolo ging es immer noch nicht gut und wollte sich noch ausruhen, beschlossen in das Nachbarstädtchen auf den Mark zu fahren, ca. (gefühlte) 20 km.  Also lief ich zum Haupttor mit den Schnauzermotiven und machte es auf, damit Kathrin durchfahren kann – nicht eine Sekunde habe ich nachgedacht, so machte es doch Staszek auch immer…ich Doof, bin ich Staszek??
Flugs waren auch schon die ersten Hunde vom Rudel draußen, fuchtel, fuchtel, fuchtel, Hektik…waren sie auch schon wieder drin bis…auf einen….verflixt aber auch noch mal, Schimpf und Schande über mich.

 

 
Die süße schwarze Madame, die ich vor ein paar Minuten noch gekrault hatte wollte partout eine Freilaufrunde extra. Unter Scarletts Blick, deren freie Übersetzung ich hier nicht wieder geben möchte….(Katrin und Birgit hatten einen ähnlichen Blick, sind ja auch verwandt……)ähm… rannten wir zwei der Dame hinterher.
Das Hundetier natürlich bedächtig darauf achtend, dass der Abstand gleich bleibend groß blieb. Wenn sie nicht zu uns sah, gaben wir Gas. Wir kamen bis auf ca. 10 Meter an sie ran. Plötzlich stürmte Scarlett seitlich in eine kleine Böschung hoch und warf sich ins hohe Gras – ich dachte, „…watt isn nu los…“, genauso plötzlich sprang das Hundemädchen genauso stürmisch zu Scarlett von wegen „die Maus will ich auch!“
Zeitnah fuhr Katrin mit dem Auto vor, Scarlett und Hund rein, zurück ins Rudel.
Da stand ich da, schön bedeppst, meine Hände zitterten, mein Herz raste, mir war richtig übel geworden – am Meisten ärgerte mich meine Blödheit…wenn das Doris erfährt!!!!! (tut sie ja jetzt, aber ich bin jetzt zu weit weg um gewürgt zu werden. Danke nochmals an Birgit, Katrin, Scarlett, dass ihr mich nicht verraten habt und damit Doris den Tag nicht verdorben – aber einmal muss die Wahrheit raus….bitte Doris, sorry für die Aktion!)

Also nach der halbstündigen (gefühlten 10 Stunden) Black Beauty Action fuhren wir gen Städtchen. Mir war immer noch schlecht.
Den Markt haben wir auch gefunden und konnten gerade noch zwischen den Aufräum/Abbauhandlungen durch die Reihen flanieren. Wir tauschten noch etwas Geld – kapiere ich immer noch nicht, dass man hier in Polen nicht mit Euro bezahlen kann – doch fanden wir eh´ nichts richtig Hübsches, reiseüberlebensfähiges, um es auszugeben.
Letztendlich haben wir außer dem Marktgeruch, den ich ja sehr gerne habe, nichts geshoppt.
War trotzdem schön zu sehen… wir also wieder zurück nach Pusia.

Ui ui ui, dort erwartete uns schon eine Traube Verwandtschaft von Basia und Staszek. herausgeputzt, hübsch frisiert und gut duftend!
…und wir noch…. in unseren Hundeklamotten….
Schon huschten wir mit einem knappen leisen „hallo“ vorbei in unser Zimmerchen um uns neu zu sortieren. Zugegeben, das war ein bisschen unhöflich, aber irgendwie waren wir auf einmal schüchtern, alle Fünf…..tz tz tz.
Rückblickend versteht man sich selbst manchmal nicht.
Nun putzten wir uns auch auf, d.h. den Vieren ist das gut gelungen, alle hatten „Nichthundeklamotten“ dabei mit passenden hübschen Schühchen. Toll sahen die vier aus! Ich hatte die Wahl zwischen Wanderstiefel und Chucks, letzteres waren dann am ehesten Salonfähig. (ich hatte das mit „wirklich chic zum Dinner“ nicht ganz ernst genommen und einfach nichts dafür eingepackt – richtig zuhören wäre manchmal gesellschaftsfähiger, ja Birgit, du hattest es mir ja gesagt! In Zukunft also immer brav die Hacken und das kleine Schwarze an Board! Kann nie schaden.)
Haare auf, kämmen, Lippenstift drauf und fertig! Raus in die Menge!
Basia mit Locken, Staszek im Dreiteiler und gestärktem Kragen, Christopher im Anzug und DORIS! Wow! Guido Maria Kretschmer hätte eine komplettere Verwandlung wohl auch nicht gestalten können! Wow wow wow!!! Man kennt sich ja nur mit „Hund-Hauruck-Dreck-macht-nix-Outfit“ …aber Hallo (!), waren alle schön!!! Ich war ganz begeistert von Doris: ihre Haare schön gelegt, ihr buntes langes Kleid mit knallrotem Blazer, geschminkt, gezupft, gepudert und dazu knallrote Pumps! Wer es nicht gesehen hat…echt was verpasst!!

Es war eine wirklich schöne Feier mit allem drum und dran!
Doris hatte ja längst die Feier schon schön beschrieben. Es wurde viel viel  getanzt, gesungen, gespeist und getrunken – viel gelacht, geschmunzelt und gekichert.                                                                                               

 
Wir wurden als Teil dieser wunderbaren Familie aufgenommen, auch diverse Sprachbarrieren waren eher witzig als alles andere  allesamt ganz liebe Leute!
Doris verkrümelte sich nur 2x, da sie ihrem geliebten alten Arthurdackel die Spritze geben musste, so ganz ohne Hunde ging es einfach nicht .
Als Doris das wunderschön gezeichnete Bild bekam war der Raum mit Rührung gefüllt.
 Wir müssten Doris viel öfter mal Danke sagen für all das was sie alles tut.

Am nächsten Tag war schon die Abreise geplant – die Zeit ging viel zu schnell vorbei.
Der einen, oder der Anderen fehlte auch noch etwas Schlaf und so verliefen das Frühstück und das Einpacken recht ruhig.
Auch die Fahrt, trotz Staus und ohne Umwege, war sehr ruhig.
Man hing so seinen Gedanken hinterher, voll von den vielen Eindrücken und Müdigkeit.
Es dauerte trotzdem 12 Std. bis wir in Minden ankamen.

Für mich war es eine sehr bewegende emotionale Reise für mich.
Herzlichkeit, Kummer, Freude, Bescheidenheit, Gänsehaut…
Was kann man alles tun, damit man helfen kann…? …neben Spenden kann man aufklären, darüber reden, andere bewegen mit zu machen.
Jede noch so kleine Hilfe wird dankbar angenommen und umgesetzt, das motiviert sehr.
Im Grunde wollen wir alle das eine – die Hunde sollen alle ein tolles Zuhause finden!
Hier gibt es Menschen, die alles daran setzen und sich dabei fast selbst vergessen.
          
Vielen Dank an Alle für alles, vor allem dafür, dass ich dabei sein durfte!

    Eure Martina.